Die Entscheidung für ein Shopsystem ist generell nie einfach, weil sich viele Systeme zumindest oberflächlich sehr ähnlich bzw. die Unterschiede schwer auszumachen sind. Aber die Entscheidung zwischen Shopify und WooCommerce ist einfach, wenn Sie sich die richtigen Fragen stellen.

Fangen wir zunächst mit der im Titel versprochenenen kurzen Antwort an. Um sich zwischen WooCommerce und Shopify zu entscheiden, müssen Sie sich im Grunde nur diese zwei Fragen stellen:

  • Bin ich willens und in der Lage, mich um alle technischen Details einer WordPress- und WooCommerce-Installation und des damit verbundenen Webhostings zu kümmern?
  • Wenn nicht, bin ich willens und in der Lage, jemanden (einen spezialisierten Full-Service-Webhoster oder einen Mitarbeiter) dafür zu bezahlen, diese Aufgaben zu übernehmen?

Wenn die Antwort auf beide Fragen „nein“ lautet, sollten Sie sich von WooCommerce verabschieden und eine Cloud-Lösung – wie z.B. Shopify – einsetzen. Denn im Gegensatz zu einer Cloud- oder „Software as a Service“-Lösung (Saas) muss sich jemand bei einer Lösung wie WooCommerce um die Technik kümmern. Bei Shopify und anderen SaaS-Lösungen übernimmt das der Anbieter für Sie, bei selbst-gehosteten Lösungen wie WooCommerce müssen Sie sich darum kümmern oder jemanden damit beauftragen und für diesen Service bezahlen.

Und damit zur langen Antwort.

Shopify oder WooCommerce? Die lange Antwort!

Bei der Wahl des Shopsystems stehen viele angehende Onlinehändler vor scheinbar endlosen Feature-Listen, Preisübersichten, Plugins, Themes und mehr. Nicht wenige reduzieren die Liste der in Frage kommenden Plattformen recht schnell auf die gängigsten Systeme, um sich nicht zwischen dutzenden, teils obskuren Systemen entscheiden zu müssen. Da Magento gerade für Einsteiger meist nicht in Frage kommt, landet man schnell bei der Wahl zwischen Shopify und WooCommerce.

Aber selbst die Wahl zwischen nur diesen beiden Systemen fällt vielen Händlern noch schwer. Ein nur grober Vergleich zwischen beiden Systemen wird schon dadurch erschwert, dass ihre Ansätze zu unterschiedlich sind, wie man an der nachfolgenden Tabelle sieht.

Shopify WooCommerce
Technik
Technische Basis Cloud-Lösung Plugin für WordPress
Hosting Inklusive Buchen Sie selbst
Installation, Updates & Wartung Inklusive Übernehmen Sie selbst oder beauftragen einen Dienstleister
SSL-Zertifikat Inklusive Übernehmen Sie selbst
PCI-DSS-Zertifizierung Inklusive Übernehmen Sie selbst
Performance Hohe Verfügbarkeit und Skalierbarkeit Abgängig vom gewählten Hosting
Erweiterbarkeit
Themes Theme Store: 60+, Theme Forest: ca. 600 Theme Forest: ca. 1.200
Apps + Plugins 2.500+ Apps Tausende WordPress-Plugins
Service
Support 24/7 Telefon, Chat, E-Mail (E-Mail auch deutschsprachig) Community (Foren, Blogs, etc.)
Kosten Monatlich ab $29 zzgl. 2% Umsatzprovision Kernsystem kostenlos, geeignetes Hosting ab ca. € 10 / Monat

Wenn man aber etwas tiefer geht und die richtigen Kriterien anlegt und sich die richtigen Fragen stellt, wird die Entscheidung zwischen Shopify oder WooCommerce schon sehr viel einfacher.

Wie technisch veranlagt sind Sie?

Lernify

Die wichtigste Frage, die Sie sich zunächst stellen sollten, ist die, wie technisch versiert Sie sind. WooCommerce basiert auf WordPress, einem ursprünglich als Blogging-Plattform konzipierten und mittlerweile deutlich an Funktionsumfang gewachsenen Software-Paket.

Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Werden Sie selbst den Shop komplett betreiben, verwalten, etc. oder haben Sie einen technisch versierten Mitarbeiter, der das übernimmt?
  • Wenn Sie keinen Mitarbeiter haben, der sich um den technischen Betrieb des Shops kümmern kann, haben Sie einen zuverlässigen Dienstleister, der das übernehmen kann?

Damit Sie eine grobe Vorstellung davon haben, was an technischen Belangen auf Sie zukommt: Um diese Punkte müssen Sie sich im Gegensatz zu Shopify bei WooCommerce (ja nach Hosting-Anbieter und -Paket) zumindest zum Teil selbst kümmern:

  • Backups von WordPress-Dateien und -Datenbank
  • Updates von WordPress, WooCommerce und Plug-Ins
  • SSL-Zertifikat
  • PCI-DSS-Zertifizierung

Zu bedenken ist auch, woher Sie zumindest grundlegende Hilfe bekommen, wenn es mal hakt (und bei Software hakt es eigentlich immer irgendwann und irgendwo). Bei Shopify erhalten Sie 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Support per Telefon, Chat oder E-Mail, per E-Mail sogar deutschsprachig. Wenn Sie mit WooCommerce Probleme haben, gibt es keinen zentralen Support-Kanal und Sie müssen sich Hilfe stattdessen in diversen Foren, Facebook-Gruppen, Blog-Kommentare usw. zusammensuchen.

Zwischenfazit

Wenn Sie sich mit den technischen Themen also nicht ausreichend auskennen oder jemanden dafür bezahlen können und wollen, oder wenn Sie sich auskennen, sich aber lieber um das Marketing für Ihren Shop kümmern wollen als um den Technik-Kram (eine sehr weise Entscheidung!), dann sollte Ihre Wahl auf Shopify fallen.

Shopifys Cloud-Lösung hält die technischen Aspekte des Onlineshop-Betriebs so weit wie möglich von Ihnen fern. Als grundsätzlich technisches Gebilde ist ein Onlineshop natürlich in gewissem Maße immer „technisch“. Aber das ist eine Kaffeemaschine auch, nur verbirgt die Kaffeemaschine genau wie Shopify die Technik so weit wie möglich vor Ihnen und gibt Ihnen nur die Mittel an die Hand, die Sie benötigen, um einen Kaffee zuzubereiten bzw. einen Onlineshop zu betreiben.

Ein anderer, wie ich finde, passender Vergleich ist ein Auto: Shopify ist der zuverlässige Familienvan „von der Stange“, in den man einsteigt, den Startknopf drückt und dann nur noch lenkt und die Geschwindigkeit bestimmt. Die ganze komplexe Technik, die das ermöglicht, bleibt vor einem verborgen. Allenfalls kann man noch den Stand des Motoröls mit dem Messstab prüfen, aber auch dafür gibt es eine Kontrollleuchte.

WordPress dagegen ist eher ein „Schrauberauto“. Hier muss man selbst Hand anlegen, damit alles rund läuft, muss auf die Temperatur des Getriebeöls achten, Gänge selbst schalten und wenn etwas nicht funktioniert, bockt man die Kiste auf und schaut nach dem Rechten. Letztlich hat man so alle technischen Details im Griff, aber man ist eben auch für sie verantwortlich und kommt nicht darum herum, sich manchmal die Hände schmutzig zu machen.

Und noch ein letzter Vergleich, dieser für die Nerds unter Ihnen: Shopify ist ein Mac, WordPress ist Linux.

Immer noch unentschlossen?

OK, Sie sind also so ein „Technik-Heinz“, der an allem selbst herumschrauben will und Sie kennen sich mit HTML, CSS, JavaScript, WordPress, PHP, Webhosting und dem ganzen anderen Kram aus. Sie sind also rein technisch in der Lage, einen WooCommerce-Shop so zu betreiben, dass er nicht innerhalb von Minuten nach der Inbetriebnahme von russischen Hackern gekapert wird oder unter der Last von 7 gleichzeitigen Benutzern ächzend die Hufe hochreißt. Sollten Sie in diesem Fall zu WooCommerce greifen?

Wenn Sie sich den Namen dieses Blogs nochmal genau anschauen, werden Sie meine Antwort sicher schon kennen. Und ich gebe unumwunden zu, dass ich in dieser Frage parteiisch bin. Wir nutzen für unseren Shop selbstverständlich Shopify, und das nicht nur, weil wir eine Shopify-Agentur sind und das ja irgendwie komisch aussehen würde, wenn wir unseren Shop mit WooCommerce betreiben würden.

Wir wären nämlich technisch durchaus in der Lage, einen WooCommerce-Shop zu betreiben und dieser Blog läuft schließlich auch auf WordPress. Aber während WordPress vermutlich eins der besten Tools ist, um einen Blog zu betreiben, so ist es eben nicht die erste Wahl für einen Onlineshop. WordPress ist im Kern immer noch ein Blog-System, auch wenn viele es mittlerweile als Content Management System bezeichnen. Aber als Shop-System war es nie konzipiert und so ist WooCommerce auch letztlich „nur“ ein Plugin für WordPress: Eine Software-Komponente, die das Blog-System um Shop-Funktionalität erweitert.

Und nun fragen Sie sich bitte: Wollen Sie Ihren Onlineshop auf einem System aufsetzen, bei dem die Shop-Funktionalität ein „Anhängsel“ ist, oder auf einem System, das vom ersten Tag an als Shopsystem konzipiert war und dessen einziger Fokus die Bereitstellung einer leistungsfähigen und einfach zu bedienenden E-Commerce-Plattform ist? Wollen Sie einen „Blog mit angeschlossenem Shop“ oder doch lieber einen „Shop mit angeschlossenem Blog“?

Ein Wort zur Blog-Funktionalität von Shopify

Wo wir gerade beim Thema „Blog“ sind: Manchmal wird als Vorteil von WooCommerce angeführt, dass die Blog-Funktionalität ja viel besser sei als bei Shopify. Und das stimmt auch: Der in jedem Shopify Shop integrierte Blog kann mit WordPress definitiv nicht mithalten. Die Frage ist nur, ob das wirklich das Kernkriterium bei der Wahl eines Shopsystems sein sollte.

Denn zum einen reicht für die meisten Blogs die in Shopify enthaltene Funktionalität vollkommen aus. Blog-Posts mit Text, Bildern, eingebetteten Videos und anderen Elementen sind problemlos möglich, für anspruchsvollere Layouts, die mit dem in Shopify eingebauten Editor nicht ohne HTML-Kenntnisse umsetzbar sind, kann man außerdem auf Seiten-Design-Apps zurückgreifen. Und wem die eingebaute Kommentarfunktion nicht reicht, kann auch mit wenig Aufwand Disqus integrieren.

Zum anderen kann man – wenn es denn unbedingt sein muss – einen Shopify Shop auch mit einem WordPress Blog verbinden. Der WordPress Blog läuft dann einfach auf einem separaten Hosting unter einer Subdomain, also z. B. blog.meinshop.de. In dem Fall sollte allerdings das Design des Blogs möglichst an das des Shops angeglichen werden, damit beim Wechsel zwischen Shop und Blog kein visueller „Bruch“ entsteht. Mit entsprechenden HTML- und CSS-Kenntnissen oder professioneller Hilfe ist das auch durchaus möglich, wenngleich der Aufwand dafür nicht zu vernachlässigen ist.

Und noch ein Wort zu den Kosten

Viele wählen WooCommerce vor allem aus einem Grund: es ist (scheinbar) kostenlos. Ja, scheinbar. Denn während die Software (WordPress + WooCommerce) tatsächlich kostenlos zu haben ist, fallen bis zur Inbetriebnahme und für den laufenden Betrieb eines WooCommerce-Shops doch auch einige Kosten an:

  • Kauf eines Themes (ab ca. €60)
  • Anpassungen für den Betrieb in Deutschland
  • Ggf. weitere kostenpflichtige Plugins
  • Hosting: Mindestens €5 – €10 pro Monat für ein vernünftiges Hostingpaket
  • Transaktionsgebühren der Zahlungsanbieter

Ganz kostenlos ist also auch ein WooCommerce-Shop nicht aufzusetzen und zu betreiben. Aber letztlich ist ein Onlineshop ja auch ein kommerzielles Unterfangen, und wie heißt es so schön: Man muss Geld ausgeben, um Geld zu verdienen.

Ich finde auch generell, dass eine „Kostenlos-Mentalität“ der falsche Ansatz für die Entscheidung für ein Shopsystem ist. Natürlich will man nicht mehr Geld ausgeben als nötig, das ist wirtschaftlich klug und gerade am Anfang muss man oft jeden Euro zweimal umdrehen, weiß man doch noch gar nicht, ob der Shop überhaupt einen nennenswerten Ertrag abwerfen wird (Stichwort: „unternehmerisches Risiko“).

Aber ab irgendeinem Punkt muss man sich auch die Frage stellen, wieviel einem die eigene Zeit wert ist. Das ist wie beim o. a. Vergleich Shopify = Mac, WooCommerce = Linux. Wie ein gewisser Jamie Zawinski mal gesagt hat: „Linux is only free if your time has no value“. Und so ist es auch mit WooCommerce: Selbst wenn man es komplett ohne einen Euro auszugeben einsetzen könnte, muss man doch einiges an Zeit investieren, um es einzurichten und am Laufen zu halten.

Fazit

Was rate ich Unentschlossenen also? Sollen Sie nun Shopify oder WooCommerce wählen?

Wenn Sie sich mit den technischen Aspekten des Betriebs eines Onlineshops so wenig wie möglich befassen und sich ganz auf das Marketing und Ihre Produkte konzentrieren wollen, wählen Sie Shopify. Wenn Sie sich mit der Technik auskennen und sich ganz bewusst dafür entscheiden, sich um die Technik kümmern zu wollen, probieren Sie es ruhig mal mit WooCommerce. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn Sie mit Ihrem Shop dann mal einen gewissen Erfolg haben und Sie sich mehr und mehr um das Marketing kümmern wollen und müssen, werden Sie feststellen, dass Sie keine Zeit mehr für die Technik haben. Und dann werden Sie sich Shopify vielleicht doch nochmal anschauen.

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