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Auf der 2019er Shopify Unite Konferenz wurden jede Menge spannende Neuerungen angekündigt. Wir schauen uns die wichtigsten an.

Aauf der 2019er Unite Konferenz wurden in der Keynote eine ganze Reihe interessanter und spannender Features angekündigt. Und im Gegensatz zu den Vorjahren betreffen viele der Neuerungen nicht nur Nordamerika und/oder Nutzer von Shopify Plus, und es sind einige echte „Game Changer“ dabei.

Es folgt ein kurzer Abriss der aus unserer Sicht wichtigsten Neuerungen und eine kurze Bewertung zu jeder Ankündigung. Beachten Sie, dass alle genannten Features erst im Laufe des Jahres öffentlich zugänglich sein werden. Derzeit sind die Features nur in Developer Previews für Shopify Partner verfügbar, damit diese ihre Themes und Apps auf die Änderungen vorbereiten können.

Abschnitte, überall Abschnitte

Vor einigen Jahren hat Shopify Abschnitte (Sections) für Themes eingeführt, dynamisch konfigurierbare Bereiche, mit denen man ohne technische Kenntnisse seinen Shop individuell gestalten kann. Das Feature war allerdings im Wesentlichen auf die Startseite eines Shops beschränkt, auf Unterseiten waren Abschnitte nur eingeschränkt nutzbar.

Damit ist nun Schluss: Themes werden in Zukunft Abschnitte für alle Seiten eines Shops nutzen können, nicht mehr nur die Startseite. Abschnitte können individuell je Seite konfiguriert werden, und damit sind nicht nur Content-Seiten gemeint: Auch Produkt-, Kategorie und Blog-Seiten können so individualisiert werden. Zudem wird es auch die Möglichkeit geben, sog. Master Pages zu definieren, die allen darauf basierenden Seiten das gleiche Layout verpassen.

Bewertung: Game Changer. Damit werden Page Builder Apps (zumindest bis zu einem gewissen Grad) überflüssig und Sie können im Theme-Konfigurator alle Seiten Ihres Shops individuell gestalten. Damit wird es deutlich einfacher, auf Basis eines Themes einen wirklich individuellen Shop zu gestalten.

Mehrsprachigkeit

Lernify

Shopify bietet seit langem die Möglichkeit, Shops zu übersetzen. Aber um Shop-Besuchern die Auswahl aus mehreren Sprachen anzubieten, musste man bisher auf Apps wie Langify zurückgreifen und die Übersetzung aller Shopinhalte und ggf. auch des Themes erfolgte dann in der jeweiligen App.

Mit der Translation API führt Shopify nun eine Schnittstelle ein, über die Übersetzungen aller Shopinhalte in Shopify gespeichert und verwaltet werden können. Zudem erhält jede Sprache eine eigene URL-Struktur, z. B. shop.com/de für den deutschen Shop und shop.com/fr für den französischen.

Für die eigentliche Übersetzung der Inhalte wird man aber weiterhin auf Apps zurückgreifen müssen. Denn Shopify selbst wird keine Benutzerschnittstelle für die Übersetzung von Shopinhalten anbieten. Diese muss also von App-Anbietern kommen. Übersetzungs-Apps wie Langify werden also weiterhin benötigt, nur dass diese intern anders funktionieren werden, und dass die Übernahme von Übersetzungen zwischen diversen Übersetzungs-Apps leichter bzw. überhaupt erst möglich werden wird. Zudem werden die z. B. von Langify durchgeführten umfangreichen Änderungen am Theme-Code nicht mehr nötig sein bzw. deutlich weniger werden.

Bewertung: Überfällig. Mehrsprachigkeit war lange Zeit das „red-headed stepchild“ von Shopify, denn echte Mehrsprachigkeit mit Sprachauswahl in der Storefront war nur über 3rd-Party-Apps möglich. Während die Translation API definitiv zu begrüßen ist, bleiben Händler weiterhin auf externe Apps angewiesen, was ein bisschen schade ist. Aber immerhin wird der Wechsel zwischen verschiedenen Übersetzungs-Apps möglich, weil die Übersetzungen im Shop gespeichert werden anstatt in der jeweiligen App.

Mehrere Währungen

Bis letztes Jahr konnte man in jedem Shopify Shop nur eine einzige Währung konfigurieren. Zwar konnte man mittels Apps oder individueller Code-Anpassungen Preise auch in anderen Währungen anzeigen, aber sobald Kunden zum Checkout gingen, wurden alle Preise wieder in der Stammwährung des Shops angezeigt und Käufe konnten auch nur in dieser Währung abgerechnet werden.

Im Jahr 2018 führte Shopify dann die Fähigkeit ein, mehrere Währungen zu nutzen, also Anzeige verschiedener Währungen im Shop inkl. Rundungsregeln, wenn man z. B. Preise unabhängig von der Währung immer auf ,99 enden lassen will. Allerdings war diese Funktionalität auf Shopify Plus Shops beschränkt.

Nun stehen auch in den Normalsterblichen-Tarifen mehrere Währungen zur Verfügung. Einziger Unterschied: Individuelle Rundungsregeln sind weiterhin nur in Shopify Plus möglich, in den Standard-Tarifen gelten feste Rundungsregeln: Alle Dollar-Währungen (USD, CAD, AUD, NZD, SGD, HKD) auf den nächsten vollen Dollar, Britische Pfund auf das nächste volle Pfund, Yen auf ¥100 und Euro auf ,95 €.

Bewertung: Überfällig. Der Onlinehandel ist global und mit der Möglichkeit, Kunden nun auch in ihren nationalen Währungen bezahlen zu lassen, geht Shopify einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Internationalisierung. Zwar fehlen für uns in Europa einige Währungen von Nicht-Euro-Ländern, aber die werden sicher früher oder später folgen.

Abos

Für die Realisierung von Abos war Shopify nie gut gerüstet. Denn die Grundvoraussetzung für Abos ist, dass die Zahlungsdaten und die Authorisierung gespeichert werden, damit das jeweilige Zahlungsmittel entsprechend dem Aborhythmus regelmäßig wiederkehrend belastet werden kann. Da Shopify bis vor Kurzem keinerlei Zahlungsinformationen von Shop-Kunden gespeichert hat, waren Abos schlicht nicht möglich.

Über 3rd-Party-Anbieter wie ReCharge oder Bold Subscriptions gab es dann irgendwann die Möglichkeit, Abos abzuwickeln. Allerdings wickelten diese Anbieter Abos technisch bedingt über ihre eigenen Checkouts ab. D. h. alle im Shop konfigurierten Zahlungsarten konnten in diesem externen Checkout nicht genutzt werden und die Zahlung war nur per Kreditkarte und ggf. noch PayPal möglich.

Nun hat Shopify mit App Extensions die Möglichkeit geschaffen, das Shopify-System selbst von Apps erweitern zu lassen. Und mit den Checkout App Extensions können Apps in den Checkout-Flow eingreifen um so individuelle Abläufe zu realisieren. Im Falle von Abos heißt das nun, dass ReCharge die Funktionalität ihrer App direkt in den Shopify-Checkout integrieren wird und Abos damit nicht mehr wie bisher über den ReCharge Checkout laufen sondern über den ganz normalen Shopify Checkout. Einzige Voraussetzung, um diese Funktionalität nutzen zu können, ist die Nutzung von Shopify Payments.

Bewertung: Topp! Abos waren mit Shopify immer ein bisschen ein Krampf. ReCharge ist zwar eine recht robuste Lösung, man merkt der App aber ihren US-amerikanischen Fokus an und die Beschränkung auf Kreditkarte und PayPal ist für Kunden in der der EU auch nicht ideal. Die Abwicklung von Abos über den normalen Shopify Checkout mit allen über Shopify Payments verfügbaren Zahlungsarten ist ein nicht zu unterschätzender Schritt. Damit stehen z. b. Abos mit Zahlung per Lastschrift (über Klarna) nichts mehr im Wege.

Bestellungen bearbeiten

Ein seit vielen Jahren auf den Wunschlisten vieler Shopify-Nutzer stehendes Feature ist die nachträgliche Bearbeitung von Bestellungen. Möglich war das bisher nur über 3rd-Party-Apps, die letztlich nichts anderes gemacht haben, als für eine geänderte Bestellung eine neue Bestellung mit den jeweiligen Änderungen anzulegen. Das führte aber in nachgelagerten Systemen wie Fulfillment, Buchhaltung, etc. zu Problemen.

Nun hat Shopify endlich die Möglichkeit geschaffen, ohne Hilfe von Apps Bestellungen im Nachhinein zu ändern. So können Händler z. B. die Anzahl eines Artikels einer Bestellung ändern, einzelne Artikel stornieren, etc. Wohlgemerkt: Diese Möglichkeit steht nur dem Händler zur Verfügung, nicht Kunden. Es ist also weiterhin nicht möglich, Kunden selbstständig in ihrem Kundenkonto Bestellungen bearbeiten zu lassen. Ob das jemals möglich sein wird, steht in den Sternen, denn die dafür erforderlichen Änderungen an der Grundstruktur des Shopify-Systems dürften tiefgreifend sein.

Bewertung: Topp! Damit hat das Gewurschtel mit 3rd-Party-Apps zur Änderung von Bestellungen nach langer Wartezeit ein Ende.

Unterschiedliche Versandtarife je nach Produkt

Es kommt gar nicht mal so selten vor, dass man als Händler bestimmte Versandtarife nur dann anbieten will, wenn bestimmte Artikel im Warenkorb liegen. Z. B. möchte man bei zerbrechlichen Artikeln u. U. einen Zuschlag für eine besonders sichere Transportverpackung erheben oder teure Artikel nur mit einem spezialisierten Dienstleister versenden.

Hierfür gab es bisher in Shopify nur die Möglichkeit, das „von hinten durch die Brust ins Auge“ über das Artikelgewicht zu lösen. Denn Versandtarife in Shopify konnten bislang immer nur preis- oder gewichtsbasiert sein. Wenn man generell nur preisbasierte Versandtarife nutzte, konnte man über das Anlegen zusätzlicher gewichtsbasierter Tarife und der Hinterlegung von „Fantasie“-Gewichten steuern, welche Versandtarife für welche Produkte im Checkout angeboten wurden.

Diesen Workaround wird es künftig nun nicht mehr brauchen: Versandprofilen können nun bestimmte Produkte zugeordnet werden und die enthaltenen Versandtarife werden dann nur für Warenkörbe angeboten, die die entsprechenden Artikel enthalten.

Bewertung: Topp! Der Artikelgewichts-Hack war zwar recht clever und hat auch weitestgehend funktioniert. Aber nun bekommen wir endlich eine robuste Lösung für artikelbasierte Versandtarife. Bleibt zu hoffen, dass es eine ähnliche Funktionalität irgendwann auch mal für die Zahlungsarten geben wird. Denn das Ein- oder Ausblenden von Zahlungsarten je nach im Warenkorb enthaltenen Artikeln ist derzeit nur mit Shopify Plus möglich.

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Automatische Rabatte nun schon im Warenkorb

Als Shopify letztes Jahr automatische Rabatte eingeführt hat, folgte auf die Freude über das neue Feature schnell Ernüchterung. Denn der Rabatt wurde erst im Checkout sichtbar und nicht schon im Warenkorb. Da hat Shopify nun nachgebessert: Automatische Rabatte werden nun schon auf der Warenkorbseite sichtbar.

Die Beschränkung, dass je Checkout nur ein Rabattcode verwendet werden kann, gilt leider weiterhin. Wenn also ein automatischer Rabatt greift, wird das Feld zur Eingabe des Rabattcodes im Checkout nicht angezeigt und Kunden können keine individuellen Rabatte eingeben.

Bewertung: Prima! Das hätte gleich von Anfang an so funktionieren müssen. So machen automatische Rabatte jetzt richtig Sinn.

Bessere Produktempfehlungen

Viele Themes zeigen auf der Produktdetailseite eines Artikels weitere „empfohlene Produkte“ an. Das Feature kennt man aus fast allen modernen Onlineshops. Allerdings war die dahinterliegende Logik geradezu primitiv: Denn die Empfehlungen waren letztlich meist nur Produkte aus der selben Kategorie wie das jeweilige Produkt, auf dessen Seite man sich gerade befand. Die daraus resultierenden Enpfehlungen waren daher meist nicht sonderlich effektiv. Denn bei diesen Produktempfehlungen will man in der Regel keine alternativen Artikel anzeigen sondern ergänzende Artikel. Aus diesem Grund gibt es im App Store auch jede Menge Apps, die eine ausgefeiltere Empfehlungslogik bieten.

Shopify hat nun einen Algorithmus vorgestellt, der Produktempfehlungen ohne 3rd-Party-Apps deutlich leistungsfähiger machen soll. Die Empfehlungen basieren dabei u. a. auf statistischen Daten, welche Artikel besonders häufig zusammen gekauft werden. Die Logik, Empfehlungen aus der selben Kategorie wie das angezeigte Produkt anzuzeigen, gibt es weiterhin, diese kommt aber nur noch zum Zuge, wenn die statistische Logik nicht greift, z. B. weil zu wenig Daten für das jeweilige Produkt vorliegen.

Bewertung: Prima. Die bisherige Primitivlogik war eigentlich sinnlos, weshalb man gezwungen war, auf Apps zurückzugreifen. Aber auch mit dieser Neuerung werden Empfehlungs-Apps sicher nicht überflüssig werden, denn viele bieten deutlich mehr Möglichkeiten bei der Ermittlung von passenden Empfehlungen bis hin zur manuellen Produktselektion.

Live Suchvorschläge

Shopifys Shop-Suche war schon immer etwas mittelmäßig oder „gut genug“. Aber nicht umsonst gibt es im App Store einige Apps, die die Suche um Live-Suchvorschläge und mehr erweitern. Jetzt gibt es einen Grund weniger, solche Apps einzusetzen. Denn Shopify stellt nun eine JavaScript-Schnittstelle für die Live-Suche zur Verfügung. Suchergebnisse werden also schon bei der Eingabe in einem Suchfeld angezeigt, was das Auffinden von passenden Produkten oder Inhalten für Besucher deutlich intuitiver macht.

Die Live-Suche ist allerdings nicht automatisch in jedem Theme verfügbar, sie muss vom jeweiligen Anbieter explizit ins Theme eingebaut werden. Shopifys eigene kostenlose Themes werden das Feature sicher alle bald bereitstellen, bei den 3rd-Party-Themes kann man davon ausgehen, dass diejenigen das Feature bald nachrüsten werden, die bislang nicht ohnehin schon auf eigene Faust eine bessere Suchfunktion realisiert haben.

Bewertung: Klasse! Auch hier wieder ein sinnvolles Feature, dass die eine oder andere App überflüssig machen kann.

Mehrere Bilder pro Variante

Last but not least ein weiteres, lang und heiß ersehntes Feature: Das Zuweisen von mehr als einem Bild je Variante. Bisher konnte nur jeweils ein Bild je Variante zugewiesen werden, oder man musste recht wackelige Workarounds programmieren oder eine App benutzen.

Bewertung: Klasse! Damit kann man nun endlich z. B. bei mehreren Ansichten eines Artikels je Farbe alle Ansichten der jeweiligen Farbe zuweisen.

Fazit

Es ist schön zu sehen, dass Features, die bislang exklusiv für Shopify Plus verfügbar waren, nun ihren Weg in die Standard-Tarife finden. Bei vielen der Neuerungen merkt man auch deutlich, dass Shopify – auch wenn es nicht immer so aussieht – den Händlern tatsächlich zuhört. Viele der Neuerungen werden außerdem Apps zumindest zum Teil überflüssig machen und den Wettbewerbsvorteil von Händlern ggü. denen auf anderen Plattformen weiter erhöhen.

In der Unite Keynote wurden noch zahlreiche weitere Neuerungen vorgestellt oder angekündigt, aber wir können hier nicht alle vorstellen und nicht alle Neuerungen sind für Händler in Europa (aktuell) relevant. Aber insgesamt sind die Neuerungen ein wahres Feuerwerk an Goodies, das jeden Shopify-Nutzer erfreuen und viele, die Shopify aktuell noch unentschlossen gegenüber stehen, von der Plattform überzeugen dürfte.

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